SAPV – Palliativ-care-Team Lahn-Dill (PCT)
In Fortsetzung der integrierte Palliativ-Versorgung Lahn-Dill haben wir nun ein Palliativ-care-Team nach SAPV (spezialisierte ambulante Palliativversorgung) etabliert. Dieses ist im März 2010 in Aktion getreten. Träger sind die Lahn-Dill-Kliniken. Kooperationspartner sind der A.N.R. Lahn-Dill (für die niedergelassenen Palliativärzte und die Kooperation mit den Hausärzten), spezialisierte Pflegedienste im LDK (für die Palliativ-care-Pflege), das Hospiz Mittelhessen gGmbH (für die stationäre Hospizversorgung und die Palliativberatung) sowie das Stephanuswerk im Diakonischen Werk (für den ambulanten Hospizdienst).
Was bedeutet SAPV?
SAPV bedeutet spezialisierte ambulante Palliativversorgung und grenzt sich dadurch ab von der allgemeinen ambulanten Palliativversorgung (AAPV), die weiterhin von niedergelassenen Ärzten und Pflegediensten geleistet wird und leider innerhalb der Pauschalvergütung erbracht werden muss. SAPV bezieht sich auf die Versorgung derjenigen schwerstkranken und sterbenden Patienten, die einer besonderen spezialisierten Versorgung bedürfen, die sich durch eine besonders aufwendige palliative Symptomatik kennzeichnet. Da es zwischen AAPV und SAPV keine eindeutige Grenzlinie gibt, wird das PCT bei der Verordnung von SAPV und der Abgrenzung von AAPV Hilfestellung leisten.
Wie funktioniert SAPV?
Das PCT Lahn-Dill besteht mit einem 24 Stunden verfügbarem Team aus mindestens einem Palliativarzt und einer Palliativ-care-Pflegekraft. Die Versorgung wird am Tage (8-16 Uhr) von der Abteilung für Palliativmedizin des Klinikums übernommen. In der Nacht (16-8 Uhr) am Wochenende und an Feiertagen stellen Palliativärzte des A.N.R. und Palliativ-care-Pflegedienste im Lahn-Dill-Kreis eine Hintergrundbereitschaft.
Verordnungen von SAPV nach Muster 63 werden dort entgegengenommen. Innerhalb von 3 Arbeitstagen erfolgt ein Eingangsassessment durch das Team beim Patienten zu Hause. Dort wird gemeinsam mit dem Hausarzt und dem zuständigen Pflegedienst ein Therapieplan erstellt, dem als Therapieziel die führende Symptomatik und die Bedürfnisse des Patienten zu Grunde gelegt werden. Es folgen regelmäßige telefonische und persönliche Kontakte. Die Kommunikation zwischen PCT und Grundversorgern (Hausarzt, Pflegedienst) hat dabei einen hohen Stellenwert. Das Team ist jederzeit telefonisch erreichbar. Ein Dokumentationsordner bleibt beim Patienten und ist für alle an der Versorgung beteiligten Berufsgruppen einsehbar, von denen jeder einen Kontaktbogen beim Patienten hinterlässt. Ein Durchschlag des Kontaktbogens geht per Fax an das PCT.
Verordnungen von Arzneimitteln und Hilfsmitteln für die spezialisierte Palliativversorgung werden vom Team übernommen. Hier ist insbesondere zu betonen, dass beispielsweise teure Schmerzmittel nicht das Budget des niedergelassenen Arztes belasten sollen.
Abgrenzung AAPV versus SAPV:
Der Gesetzgeber legt Wert darauf, dass zwischen der allgemeinen Palliativversorgung und der durch das PCT angebotenen spezialisierten Palliativversorgung eine klare Abgrenzung stattfindet. Der Patient bleibt weiterhin in der Grundversorgung durch den Hausarzt und den versorgenden Pflegedienst. Der Patient wird nicht vollständig vom PCT übernommen. SAPV ist eine additive Versorgung und wird als solches verordnet. Dem Hausarzt obliegt unverändert die medizinische Grundversorgung seines Patienten. Das PCT steht beratend und unterstützend bei besonderen palliativmedizinischen Problemen an der Seite und übernimmt diesen Teil der Versorgung auf Wunsch und durch Verordnung des Hausarztes. Eine kollegiale Kooperation und Kommunikation ist bei der Versorgung von Palliativpatienten enorm wichtig. Auch ist die intensive Berufsgruppen-übergreifende Kooperation in der Palliativversorgung von besonderer Bedeutung.
Als Beispiel sei erwähnt, dass die Behandlungspflege eines erst-und zweitgradigen Dekubitus sowie die Pflege einer PEG-Sonde oder eines suprapubischen Blasenkatheters weiterhin Aufgabe des versorgenden Pflegedienstes ist, ebenso wie der routinemäßige Blasenkatheterwechsel durch Hausarzt und Pflegedienst durchgeführt werden. Dieses trifft für die Regel - als auch die Notfallversorgung zu. Im Gegensatz dazu wird das PCT 24 Stunden für die Behandlung von schweren palliativmedizinischen Symptome wie z.B. Schmerzen, Dyspnoe und tiefen Dekubiti zur Verfügung stehen.
Wie wird SAPV verordnet (für Ärzte) ?
Die Verordnung von SAPV erfolgt über das Muster 63. Die Erstverordnung darf für maximal sieben Tage durch den Klinikarzt erfolgen, ansonsten sind Erst-und Folgeverordnungen durch den niedergelassenen Arzt zu erbringen. Die Erstverordnung wird einmal im Behandlungsfall mit 25 Euro und die Folgeverordnung einmal im Krankheitsfall mit je 15 Euro vergütet. Das PCT bietet gerne Unterstützung beim Ausfüllen des Muster 63 an. Verordnungsformulare liegen dem PCT vor, wir bitten Sie jedoch, diese auch für Ihren Bedarf bei der Kassenärztlichen Vereinigung anzufordern. SAPV kann als reine Beratungsleistung, als Koordinationsleistung sowie als unterstützende Teil- oder Vollversorgung verordnet werden. Sollten Sie also erst einmal eine reine palliativmedizinische Beratung wünschen, so genügt das Ankreuzen des Feldes „Beratung“. In der Mehrzahl der Fälle wird die additive Teilversorgung oder Vollversorgung erforderlich werden. Vollversorgung bedeutet - wie erwähnt - nicht, dass auch die Grundversorgung vom PCT übernommen wird. Der für alle Beteiligten einfachste Weg wird sein, die Verordnung gemeinsam mit oder nach Rücksprache mit dem PCT auszufüllen.
Wie ist das PCT erreichbar?
Koordinationszentrale, Herr Steffen Trettin:
Erreichbar für telefonische Anfragen
montags-freitags zwischen 8-16 Uhr 06441 - 79 - 2270
Wer steht dahinter?
Ärztliche Leitung des Palliativ-care-Teams Lahn-Dill:
Frau Dr. Birgitta Killing, Leiterin der Abteilung Hämatologie, Onkologie und Palliativmedizin am Klinikum Wetzlar
Pflegerische Leitung:
Frau Carmen Storbakken, Hospiz Mittelhessen gGmbH
Koordination des Palliativärztlichen Bereitschaftsdienstes (wochentags 16-8 Uhr, Wochenenden u. Feiertag):
Johannes Heinke, Dillenburg, Dr. Oliver Weckert, Ehringshausen, Dr. Thomas Boeder, Aßlar.
Wir hoffen Ihnen, mit dieser Übersicht einen Eindruck von der Arbeit des Palliativ-care-Teams Lahn-Dill und den für Sie bestehenden Möglichkeiten gegeben zu haben. Bitte zögern Sie nicht, sich bei Fragen an das PCT zu wenden und nutzen Sie unsere Möglichkeiten zu Gunsten Ihrer schwerstkranken und sterbenden Patienten.
Dr. Oliver Weckert
Arzt für Allgemeinmedizin, Palliativmedizin
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